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Hinter den Kulissen


Die "Botanischen Zeichen" aus dem 17 Jh. stehen für "Stauden","Bäume" und  "Sträucher". 

 

Die Zeichen greifen in Ihrer Anordnung in einander. Bei einer Gestaltung soll dies die höchstmögliche Vielfalt der Möglichkeiten zu einander ausdrücken, da Sie im einzelnen für eine bestimmte Pflanzenwuchs Form stehen.

 

Quelle: Botanische Symbole/Bilder


Sommerschnitt kontra Winterschnitt an Gehölzen Vor- und Nachteile der verschiedenen Schnittzeiten

 

 

 

Woher kommt die Gepflogenheit, Bäume im Winter zu schneiden?

Gehölze werden heute noch vor allem im Winter geschnitten, denn traditionell wird der Obstbaum- schnitt von Bauern und der Ziergehölzschnitt von Gärtnern zu dieser Jahreszeit durchgeführt, weil beide Berufszweige während der Vegetationsperiode von Frühjahr bis Herbst mit andern Arbeiten beschäftigt sind.

In den 1970er Jahren wurden von der Wissenschaft die baumeigenen Abwehrmechanismen gegen Schäden und Krankheiten im Holz erkannt. Es fand ein Wandel in der Baumpflege statt: Kronenschnittmassnahmen sollen nach baumbiologi- schen Kriterien zum bestmöglichen Zeitpunkt für das Gehölz ausgeführt werden, also dann, wenn die Abwehrmechanismen am effektivsten wirken.

 

Warum unterscheiden sich Winter- und Som- merschnitt?

In unseren gemässigten Breiten mit jahreszeitlich unterschiedlichen Klimabedingungen durchlaufen auch die Gehölzpflanzen vier verschiedene Stoff- wechselphasen: Im zeitigen Frühjahr (März – Mai) werden die im Vorjahr gebildeten Assimilate mobi- lisiert, damit der Saftfluss angekurbelt und alle notwendigen Stoffe zu den austreibenden Knos- pen transportiert. Im späten Frühjahr bis Mitte Sommer läuft die Photosynthese auf Hochtouren; die Assimilate werden für den Dicken- und Län- genzuwachs und die Samenbildung verbraucht. Im Spätsommer bis zum Laubfall werden die Überschüsse an neu gebildeten Assimilaten als Reser- vestoffe für das nächste Jahr im Gewebe eingela- gert. Von November bis Februar ruhen die biochemischen Prozesse.

Aufgrund dieses Jahresablaufs wirkt sich ein Winter- oder Sommerschnitt für das Gehölz unterschiedlich aus, weil er sich in einem andern physiologischen Zustand befindet. Es resultiert daraus eine unterschiedliche Reaktion des Gehölzes auf den an sich gleichen Eingriff.

 

Wann sollen Gehölze keinesfalls geschnitten werden und warum?

In der Phase kurz vor Knospenbruch bis nach dem Laubaustrieb sollten keine Pflegemassnahmen in der Baumkrone vorgenommen werden. Wenn die Gehölze im Frühjahr "in Saft" gelangen, schwillt die Innenrinde (Bast) stark an. Die Zellen enthalten mehr Wasser und darin gelöste Zucker als sonst. Durch den erhöhten Wassergehalt wird das Gewebe sehr druckempfindlich. Die Gefahr von Rindenschäden (Quetschungen, Verletzungen) durch das Beklettern oder Anstellen von Leitern ist dem- entsprechend gross. An Schnittflächen tritt zuckerhaltiges Wasser aus (das sogenannte "Bluten"), womit das Gehölz viele Reservestoffe verliert. Zudem erfolgt bei vielen Baumarten in dieser Zeit eine deutlich schlechtere Wundabschottung.

 

Weshalb ist der Winterschnitt für den Baum weniger günstig als der Sommerschnitt?

Wird das Holzgewebe während der Vegetationsruhe verletzt, finden keine Abwehrmechanismen statt, um die Schäden in möglichst engen Grenzen zu halten. Das betroffene Gewebe wird weder anatomisch noch biochemisch gegen das Eintreten von Luft und das Eindringen von Krankheitserregern wie Bakterien und holzzersetzende Pilze abgeschottet. Es setzt lokal keine gesteigerte Zellteilung ein, die zur Bildung eines Überwallungswulstes und damit zum Verschluss der Wunde dient, da ausserhalb der Vegetationsperiode gar keine Zellteilung stattfindet. Die Schnittwunde bleibt somit ungeschützt, bis die physiologischen Prozesse im Frühjahr wieder anlaufen. Damit erhöht sich die Gefahr, dass grössere Bereiche im Bast-, Kambium- und Holzgewebe absterben und eine Pilzinfektion erfolgreich verläuft.

Bei einigen Gattungen neigen die winterlich angebrachten Schnittwunden zu starkem "Bluten", sobald der Baum in Saft tritt, so beispielsweise bei Ahorn (Acer), Birke (Betula), Hainbuche (Carpi-

 

nus), Gelbholz (Cladrastis), Hartriegel (Cornus), und Baum- oder Wahlnuss (Juglans).

Seiner Krone mehr oder minder stark beraubt, tendiert der Baum zu Beginn der Wachstumsphase zu einer übermässigen Kompensationsreaktion. Er treibt viele schlafende Augen aus und bildet spontan neue Knospen, um die verlustig gegangenen Kronenteile so rasch als möglich zu ersetzen. Der mit der Schnittmassnahme gewünschte Auslichtungseffekt wird damit in kurzer Zeit zunichte gemacht: Die neu entwickelte Krone wird in wenigen Jahren noch dichter und dunkler, als sie vorher war, und zwingt zu weiteren Schnittmassnahmen in kurzen Intervallen. Der wiederholte, massive Rückschnitt schwächt das Gehölz zunehmend, und er wird anfälliger auf Holzfäulen, Krankheiten, und Schädlinge.

Ein weiterer Umstand ganz anderer Art wirkt sich ebenfalls negativ für das Gehölz aus. Der erhöhte Lichtgewinn, häufigster Grund des Kronenschnitts, lässt sich im laublosen Winterzustand des Baumes kaum abschätzen. Oft führt dies zu übertrieben starken Eingriffen, womit der Baum grössere Verletzungen in Starkholzdimension erfährt, unnötig viel laubtragende Kronenmasse verliert und in der Folge eine um so heftigere Kompensationsreaktion zeigt.

 

Wann ist der Winterschnitt von Vorteil?

Es gibt einzelne Fälle, in denen ein Baum vorzugsweise im Winter geschnitten wird:

Bei Nadelhölzern wie Kiefer (Pinus) und Fichte (Picea) treten beim Sommerschnitt an den Wund- flächen grosse Mengen an Harz aus, das temperaturbedingt dünnflüssig ist. Der Untergrund wird mitunter stark vertropft, die schneidende Person und ihre Ausrüstung verklebt. Im Winter erfolgt der Harzfluss schwächer und viel zählflüssiger, dennoch wird die Schnittfläche des Holzes mit dem antimikrobiell wirksamen Harz verschlossen und vor Pilzinfektionen weitgehend geschützt.

Zu Gunsten der Ausführenden, Anwohner und Passanten empfiehlt sich auch der Kronenschnitt bei Platanen (Platanus) im laublosen Winterzustand. Das Platanenblatt ist unterseits von einer flaumigen Behaarung bedeckt, die sich leicht ablöst und bei vielen Menschen Haut- und Schleimhautreizungen auslöst.

 

Müssen bruchgefährdete Bäume aus Sicherheitsgründen stark geschnitten werden, ist der Winterschnitt ebenfalls vorteilhaft, da während der Vege- tationsruhe etwas mehr Kronenmaterial entfernt werden darf (bis zu einem Drittel der Feinast- masse; bis zu einem Viertel im Sommer). Beim Öffnen der Krone durch den stärkeren Schnitteingriff wird im Sommer bei stärkerer Sonneneinstrahlung die Gefahr von Sonnenbrand deutlich erhöht. Zudem hat der Baum seine Reservestoffe noch nicht für den Frühjahresaustrieb verbraucht und kann sie zum Aufbau von Ersatztrieben einsetzen. Die Folge aber ist, wie oben erläutert, eine heftigere Kompensationsreaktion, die in Kürze weitere Schnittmassnahmen erforderlich machen.

 

Welche Vorteile hat der Sommerschnitt?

Aus baumbiologischer Sicht ist bei den Laubbäumen der Sommerschnitt dem Winterschnitt vorzuziehen. Die Begründung lässt sich wie folgt zu- sammenfassen:  Im Sommer setzen sofort baumeigene Abwehrmechanismen ein, die das Gewebe im Verletzungsbereich vor Lufteintritt und eindringenden Fäuleerregern schützen.  An der Schnittstelle beginnt sich ohne Verzögerung Wundholz zu bilden, um die Verletzung raschmöglichst zu überwachsen. Da der Baum erst an der Bildung neuer Reservestoffe ist, treibt er weniger stark nach, womit der gewünschte Lichtgewinn länger anhält. An den Schnittstellen tritt viel weniger bis gar kein Blutungssaft aus, der einen Substanzverlust für den Baum darstellt.  In der Regel erfolgen die Schnittmassnahmen sanfter, da sich mit jedem entfernten Ast der zunehmende Lichtgewinn erkennen lässt.

 

Auch die regelmässig wiederkehrenden Einwände gegen den Sommerschnitt können entkräftet werden. Aus gärtnerischer Sicht mag der Umstand stören, dass während der Vegetationsperiode die Umgebung des Baumes ebenfalls in vollem Wuchs oder in voller Blühte steht und damit grösseren Schaden durch herunterfallende Äste nimmt als während der Winterruhe. In der professionell aus- geführten Baumpflege fallen indes keine schweren Äste unkontrolliert zu Boden, weil zur Auslichtung kein Starkholz geschnitten, oder aber im Einzelfalle abgeseilt wird. Auch dem Umstand, dass etliche Baumbewohner von nistenden Vögeln über höhlenbewohnende Insekten bis hin zu Fledermäusen gestört werden könnten, weiss der Baumpflege- spezialist Rechnung zu tragen. 

 

 Quelle:http://www.baumpflege-schweiz.ch/pdf/sommer_winterschnitt.pdf

Vogelschutz


 Baum- und Gehölzpflege nach § 39 BNatSchG

 

§ 39 BNatSchG macht Unterschiede beim Standort der Bäume, aber auch Unterschiede generell zwischen Bäumen einerseits und Hecken, lebenden Zäunen, Gebüschen und anderen Gehölzen andrerseits. Unterschiedslos wird nur bestimmt, dass sie nicht abgeschnitten oder auf den Stock gesetzt werden dürfen und dass nur „schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen“ zulässig sind.

 

Während Bäume beispielsweise in Gärten und Grünanlagen von den Verboten § 39 BNatSchG ausgenommen sind, gilt dies für Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze nicht. Das bedeutet, dass diese Gehölze überall im unbesiedelten und besiedelten Raum bzw. im Innen- und Außenbereich (also auch in Gärten und Grünanlagen) grundsätzlich in dem Schutzzeitraum 1. März bis 30. September nicht abgeschnitten und auf den Stock gesetzt werden dürfen. Ebenso ist zu beachten, dass alle Bäume und Alleen an Straßen sowie Bäume in freier Landschaft vom Schutz des § 39 BNatSchG erfasst sind. Für diese Bäume bzw. Gehölze ist deshalb jetzt grundsätzlich bei allen Maßnahmen, die über eine fachlich begründete Baum- und Gehölzpflege hinausgehen, in der Zeit vom 1. März bis 30. September eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde erforderlich – unabhängig von einer eventuell ganzjährigen Genehmigungspflicht wegen anderer naturschutzrechtlicher Verbote.

 

Die Ausnahmen von den Schnitt- und Fällverboten des § 39 BNatSchG sind allerdings sehr weit reichend, wenn auch fachlich nicht einwandfrei definiert. Hier ist auf anerkannte Fachbegriffe zurück zu greifen. • Gesunderhaltung von Bäumen wird z.B.

fachlich wie folgt interpretiert: 

 

„Beabsichtigt ist doch wohl, dass das Lebewesen Baum so behandelt wird, dass sich der vorgefundene Zustand zumindest nicht verschlechtert. Ziel sollte es sein, die Lebenserwartung zu verlängern. Genau dieses steht im Fokus baumpflegerischer Maßnahmen“ 

 

• Für Bäume ergibt sich die fachliche Definition für „schonende Form- und Pflege- schnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen“ aus den Vorschriften der ZTV-Baumpflege. Hier ist die anerkannte Baumpflegepraxis für die Auslegung des Begriffs maßgebend.

 

• Für Sträucher ergibt sich die fachliche Definition für „schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen“, die allerdings auch bei Hecken, lebenden Zäunen, Gebüschen und anderen Gehölzen der Gesunderhaltung dienen, aus den einschlägigen Regelwerken. Auch hier ist die anerkannte gärtnerische Praxis für die Auslegung des Begriffs maßgebend.

 

Wer also die in § 39 BNatSchG genannten Bäume und Gehölze entsprechend diesen Vorschriften pflegt, genügt grundsätzlich der Schutzvorschrift des § 39 BNatSchG. Diese Maßnahmen dürfen ganzjährig durchgeführt werden. Über die Pflege hinausgehende Maßnahmen wie beispielsweise baumschädigende Sondermaßnahmen nach der ZTV-Baumpflege und Kappungen sind grundsätzlich verboten und allenfalls zur Erhaltung oder Herstellung der Verkehrssicherheit erlaubt. Wenn Ver- kehrssicherungsmaßnahmen „im öffentlichen Interesse nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können“, sind sie ausdrücklich von den Fäll- und Schnittverboten des § 39 BNatSchG ausgenommen. Aber auch hier sind wieder die übrigen naturschutzrechtlichen Vorschriften zu beachten, d.h. es dürfen keine Lebensstätten geschützter Tierarten beseitigt oder beschädigt werden und selbstverständlich müssen Baumschutzsatzungen und andere naturschutzrechtliche Vorschriften beachtet werden.

 

Ergebnis

 

• Das Bundesnaturschutzgesetz regelt jetzt bundeseinheitlich in § 39 BNatSchG bestimmte Fäll- und Schnittverbote für näher bezeichnete Bäume sowie für Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in einem grundsätzlich festgelegten Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September. Dieser Zeitraum kann durch Landes- gesetze nicht verkürzt, sondern allenfalls erweitert werden. Die gesetzlich vorge- sehenen Ausnahmen sind sehr weit reichend und haben zu keiner wesentlichen Verschärfung der Fäll- und Schnittverbote gegenüber den bisherigen Regelungen geführt.

 

• Allerdings sind Straßenbäume, Alleen an Straßen und Bäume in freier Landschaft jetzt besonders geschützt. Für sie gelten seit dem 1. März 2010 die Schnittverbote und Fällverbote des § 39 BNatSchG, sodass im Schutzzeitraum die vielerorts zu beobachtenden Kappungen beispielsweise an Straßenbäumen als Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen bis zu 10 000 € geahndet werden können, wenn sie nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit von der Naturschutzbehörde genehmigt wurden.

 

• Alle Bäume in Gärten, d.h. Haus- und Kleingärten, in Grünanlagen, Rasensport- anlagen und auf Friedhöfen fallen nicht unter die zeitlich befristeten Fäll- und Schnittverbote des § 39 BNatSchG. Sie kön-nen auch zwischen dem 1. März und 30. September ohne Genehmigung gefällt und zurück geschnitten werden, wenn sich keine Lebensstätten wild lebender Tierarten darin befinden und wenn keine anderen naturschutzrechtlichen Vorschriften (z.B. Baumschutzsatzungen) entgegenstehen.

 

• Alle Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze unterliegen dagegen den Fäll- und Schnittverboten des § 39 BNatSchG, auch wenn sie beispielsweise in Gärten und Grünanlagen stehen.

 

• Erforderliche Maßnahmen zur Her- stellung der Verkehrssicherheit sind von den Fäll- und Schnittverboten des § 39 BNatSchG ausgenommen, können aber aufgrund anderer naturschutzrechtlicher Verbote genehmigungspflichtig sein.

 

• Baum- und Gehölzpflegemaßnahmen entsprechend der ZTV-Baumpflege und den einschlägigen Regelwerken erfüllen den Befreiungstatbestand des § 39 NatSchG. Diese Maßnahmen sind an allen Bäumen und anderen Gehölzen während des ganzen Jahres erlaubt, es sei denn, dass sich Lebensstätten geschützter Tierarten darin befinden oder andere naturschutzrechtliche Verbote bestehen.

 

• Geschützte Bäume, die eine Verkehrsgefährdung darstellen, dürfen nur bei konkreter und unmittelbar drohender Gefahr auch ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde gefällt werden, die anschließend sofort zu informieren ist. Bei jeder Fällung und jedem Fällantrag sind die vorgefundenen Defekte und Krankheiten am Baum, die eine Fällung erforderlich machen, zu begründen und hinreichend zu dokumentieren.

 

Literaturhinweise:

[1] Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Erlass vom 3.3.2010. Diese Auffassung vertritt nach einer Presseinformation des BGL vom 15.3.2010 auch das Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz und Reaktorsicherheit (BMU) in einem Schreiben an die Bun- desländer. [2] ebenso bejahend HiLSBERG, R.: Schutzregeln geändert, Taspo BaumZeitung 1/2010, 34. [3] BRELoER, H.: Zeitangabe für Baumpflegemaßnahmen, AFZ-DerWald 24/2009, 1318. [4] ScHULZ, H.-J.: Leserbrief zum Aufsatz Hilsberg „Schutzregeln geändert“ in Taspo BaumZeitung 1/2010,34, Manuskript. 

 

Quelle: http://www.baeumeundrecht.de/pdf/bndschutz.pdf